Usbek

2003, Aluminium, Acryl, 158/70 cm

Die Farben der Mosaike -Türkis und Blau – mit welchen die Mauern der großartigen Bauten in Buchara und Samarkand in unglaublicher Fülle bedeckt sind, haben mich beeindruckt.

In Gedanken bin ich in die Vergangenheit gereist, habe versucht, die Erfahrungen, die in den Gebäuden konserviert sind zu spüren, wie viele Menschen nötig waren solche Wunder zu errichten und wie viele bei der Arbeit gestorben sind, Menschen wie Sklaven, austauschbar, Menschenmaterial. Das Großartige bleibt, die Schrecknisse sind vergessen.

Namen wie Dschingis Khan oder Timur sind uns aus dem Geschichtsunterricht bekannt – nicht unbedingt als die Helden, die sie in Usbekistan sind. Der Blick aus Europa schaut anders in die Vergangenheit als der Blick aus Usbekistan. Welcher Blick ist klar, welcher getrübt, wer beschönigt, wer glorifiziert? Ereignisse bekommen mit der Zeit – im Laufe der Jahrhunderte – eine Patina von Ehrbarkeit und Achtung. Wie wird Geschichte verfälscht – oder interpretiert – wer interpretiert mit welcher Absicht?

„Zunächst, weil es mindestens zwei Geschichten gibt (…): diejenige der kollektiven Erinnerung und diejenige der Historiker. Erstere erscheint im Wesentlichen mythisch, verformt und anachronistisch. Aber sie ist die gelebte, niemals endende Beziehung zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Es ist zu wünschen, dass die historische Information, die die Fachhistoriker verfügbar machen und die die Schulen und – so sollte es zumindest sein – die Massenmedien verbreiten, diese falsche traditionelle Geschichte korrigiert. Geschichte soll die Erinnerung erhellen und ihr helfen, ihre Fehler zu berichtigen.“

Meine Arbeiten wurden von solchen Überlegungen beeinflusst. Mit Druck in die Metallfolie gepresst, mit Farbe wieder be(ver)deckt, blitzt manches aus vergangenen Zeiten oder aus der Erinnerung auf, anderes bleibt im Dunklen, soll im Dunkel bleiben, es ist nur zu ahnen….Wachs liegt wie eine Schutzschicht über den Farben, gibt ihnen einen geheimnisvollen Zauber. Die Lichtverhältnisse – ob Tageslicht oder Kunstlicht – lassen tiefere Schichten mehr oder weniger stark durchscheinen. Die Position des Betrachters eröffnet unterschiedliche Blickwinkel und verändert das Bild.

Greta Znojemsky

Jacques Le Goff, Geschichte und Gedächtnis, Berlin 1999, S. 149f.