Sommerfrische

Werkblock Sommerfrische und Picknick, 2008

Romantik pur. Sommerfrische ist ein Aufruf die innere Mitte zu suchen, zur Langsamkeit zurückzukehren, Wertigkeiten zu hinterfragen und gegen idyllischen Schein.

Die Themen Umwelt und Klima durchdringen derzeit alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens, erreichen die Stammtische, entsprechende Buchtitel wetteifern um Aufmerksamkeit. Im Fernsehen gibt es grüne Themen, einige Serien bauen „Umwelt und Klima“ ein. Umweltbewusstsein ist in aller Munde. Warum plötzlich: für wirklich aufmerksame Mitmenschen, war Ökologie schon in den 80er Jahren ein wichtiges Thema, damals wurde man oft belächelt. Heute läutet der Wunsch nach intakter Natur gesellschaftliche Wandlungsprozesse ein. Autoverkehr, Klimawandel, Ressourcenknappheit, Lebensmittelkrise – das sind nur einige Schlagwörter zur Situation.

Eine Rückblende: Die höfische und bürgerliche städtische Gesellschaft entdeckte die „Sommerfrische“ im 19. Jahrhundert, verlagerte ihr gesellschaftliches Sommerleben in ländliche Gebiete. Das war der Beginn einer Entwicklung, die ganze Lebensbereiche wie Erholung, Freizeit und Urlaub aus dem Alltag auslagerte.

Der Kuhfladenversand (2008) würdigt einen alten Brauch. Früher sammelten manche Städter am Land in der Sommerfrische Kuhfladen, trockneten sie und schickten sich selbst Pakete mit den getrockneten Fladen. Die städtischen Kleingärten und Balkonkisterln wurden damit gedüngt.
Heute würde niemand mehr Kuhfladen sammeln, trocknen und verschicken.
Greta Znojemsky hat Fladen vom Land nach Wien gebracht, sie in die Sonne gelegt, mehrere Wochen lang gewendet, getrocknet und schließlich verpackt.

Die Serie Almsommer ist in der Zeit von 1972 bis 1993 entstanden. Greta fotografierte die zum Teil schon verfallenen Almhütten und Stallgebäude auf einer Alm in den Niederen Tauern, die sie mit ihrer Familie während der Sommermonate bewohnte. Die Hütten liegen auf einer Seehöhe von knapp 1800m und wurden im Laufe der Jahre wieder in Stand gesetzt. Das einfache Almleben umspannte sowohl große Anstrengungen wie Baumaterialien auf den Berg tragen als auch Vergnügungen im täglichen Spiel und Erholung mit Freunden und Besuchern.

Die Collage Schafehüten (2006) ist von Skizzen inspiriert, die auf der steirischen Alm entstanden sind. Das Foto ist eine Aufnahme aus den 1940er Jahren – ein „Dirndl“.

Für Picknick (2008) bat Greta Znojemsky Kinder aus Wien, ein Bild von ihrer Vorstellung eines Picknicks zu zeichnen. Die Zeichnungen, montiert über einem Kuhhorn, das wie eine Jagdtrophäe in den Raum ragt, geben einen Blick in veränderte Gewohnheiten einer Generation frei. Picknick mit Fertig-Pizza, Picknick am Spielplatz, romantisches Picknick mit „Girl“ und „Boy“ stellen Picknicksituationen einander gegenüber, was Einst und Jetzt gemeinsam haben und was sie unterscheidet: Ernährung, Naturbezug, Familienkonstellationen.

Für Sommerfrische Grünspuren – Medieninteresse (2008) wurden die ausgemisteten Papierschnipsel – Akten und bürokratische Unterlagen einer Anstalt für Gesundheit und Soziales wie Krankenscheine, Krankenberichte, Pflegedaten – wieder in einen „gesunden“ Wachstumsprozess eingegliedert, nämlich in den eines Bildes. Sie symbolisieren Grashalme und Heubüschel auf einer Sommerwiese. Ergänzt werden sie durch Magnettonbänder, Spuren einstiger Fähigkeit zur Kommunikation zwischen Natur und Mensch. Die Tonbänder verweisen auch auf das aktuelle Medieninteresse am Thema Klimawandel.

Die Objekte Tasche und Schuhe (2008) zeigen sich im grünen Gewand. Ökologisches Bewusstsein als modisches Verkleidungsspiel. Handtaschen und Schuhe sind Fetischobjekte, magische Dinge, die zu tragen eine besondere Bedeutung hat. Nimm deine Tasche, zieh die Schuhe an und begib dich in die Natur.

„Kuhfladenversand“, Installation, getrocknete Kuhfladen, Zeitungspapier, Metallkoffer 21x41cm, Spitzentuch, 2008

„Almsommer“, Diaprojektion, 1972-1993

„Schafehüten“, Grafit, Kohle, Fotografie, auf Papier, 60x80cm, 2006

„Picknick“, Installation, Kinderzeichnungen, je 20x30cm, Kuhhorn, 2008

Diptychon „Rhythmus der Kommunikation“, je 30x50cm, 2003

„Sommerfrische“, Acryl, Papier, Magnettonbänder/Leinwand, 247x 116cm, 2008

„Tasche und Schuhe“, Objekt, Acryl, Papier und Papierabfall, 38x36x10cm, 22x27x10cm, 2008