Violet Lodge

Violet Lodge: Relikt Reliquie
Installation, CD-Musik

Windspiel Galerie, Wien
31.Mai – 17. Juni 2005

Al Kahf Gallery, Bethlehem
31. August – 7. September 2006

Hirschwangerhof, Reichenau
20. August – 17. September 2016

Wie werden Relikte zu Reliquien?

Nimm also ein Stück Abfall, fülle es in einen möglichst bedeutungsschwangeren Behälter und erklär das Ganze für heilig… fertig ist Deine Reliquie. (Zitat aus einer Internetrecherche)

Relikte sind Überbleibsel aus der Vergangenheit. Sie sind behaftet mit Geschichte, die in Erinnerung bewahrt werden soll.
Historische Belegstücke, die zu Devotionalien werden, weil sie mit emotionaler Erinnerung behaftet sind, finden sich auch im Alltag: die Milchzähne des Erstgeborenen, die ersten Babyschuhe, die Haarlocke der Geliebten, die Reste der Spitzenstola der Ururgrossmutter.

Eine starke Hinwendung an ideell/geistige Inhalte, die auf eine bessere Zukunft verweisen, erhebt das Relikt in den Rang einer Reliquie, die mehr ist als ein Erinnerungsstück für den einzelnen.
Jordanwasser, Sand aus der Wüste, Steine vom Heiligen Grab, Stücke von den Olivenbäumen des Ölberges wurden in tiefer Liebe verehrt.
Für den gläubigen Menschen des Mittelalters galten die jeweiligen Reliquien als echt, wenn sie Wunder bewirkten.
Für den modernen Menschen haben Reliquien dieser Art nur mehr geringe Bedeutung. Übernatürliche Kräfte, Schutz und Heilwirkungen schreiben wir anderen Dingen zu. Wir suchen unseren „Weg zum Himmel“ durch Verehrung bestimmter Schutzmarken, Logos und Schriftzeichen, sie verheißen Ansehen und Macht. Profane Landkarten beschreiben die Wirklichkeit der Urlaubsreisen. Autos sind die materiellen Vermittlungsobjekte von Gnade und Heil – Reliquienverehrung einer anderen Art.

 

Presseartikel