Wiener Telefonbuch

Wiener Telefonbuch
11.- 12. Oktober 2008 MUSA Museum auf Abruf, Wien

Installation, Lichtbild (Dia), Metallkessel, 2 Metallrahmen je 134x114cm, ID-Anstecker

In Wien war das Zusammenleben vieler Nationalitäten in der Zeit der Monarchie ein Faktum. Wien als Hauptstadt von Österreich-Ungarn zählte 1910 bereits zwei Millionen Einwohner. Das Völkergemisch wurde belächelt: „Ein Wiener is’ a Raunzer. Zwei Wiener san a Heurigenpartie. Drei Wiener – des gibt’s net. Weil jeder dritte is a Böhm.“
Im Wiener Telefonbuch finden sich tschechische, ungarische, polnische, italienische, slowakische, slowenische, türkische, chinesische (….) Namen.
Früher war ein „komplizierter“ Familienname eine unkommentierte Angelegenheit, wenn man so wie ich einen (angeheirateten) „fremd“ klingenden Namen hat. In den letzten Jahren werde ich immer häufiger gefragt, wo ich herkomme und welche Muttersprache ich spreche. Früher lachten die Leute, wenn sie Schwierigkeiten hatten, sich den Namen zu merken und sagten: „Ah ja, ein typisch österreichischer Name!“ – heute fragen viele: „Sind sie Ausländerin?“

Meine Arbeit bringt Familiennamen in den Brennpunkt, die nicht „deutsch“ sind und doch österreichisch. Dahinter stehen Menschen = symbolisches Kapital!

Das Lichtbild „Schmelzkessel“ ist an die Wand projiziert. Davor steht ein Dreibeinständer, an ihm hängt ein Metallkessel. mit vielen ID-Ansteckern mit Namen aus dem Wiener Telefonbuch, die nicht „deutschen“ Ursprungs sind. Man kann die Anstecker aus dem Topf herausziehen und auf die Schnüre der beiden Metallrahmen klippsen. Man wählt Namen aus, die einem gefallen oder die man interessant findet.